Inspiration für Kurzgeschichten: Die Zufallsbekanntschaften eines Tages

Wer Inspiration für Kurzgeschichten oder Episoden in längeren Romanen sucht, der wird oft im täglichen Leben fündig!

Oft reicht es, die Welt um sich herum mit offenen Augen wahrzunehmen und die unbekannten Menschen - die einem zufällig begegnen - bewusst anzusehen.

Das kann zum Beispiel der Mann mit Instrumentenkoffer sein, der neben einem auf den Bus wartet: Nun kann man sich vorstellen, was dieser Mensch wohl gerade machen möchte... Zum Beispiel mit dem Bus zu einem Konzert fahren, oder einfach zu einer Probe, oder von dieser wieder zurück nach Hause. Auch kann man sich anhand der Form des Instrumentes ausmalen, welche Musikrichtung er wohl produziert und sich dann einen entsprechenden Lebensstil vor dem geistigen Auge vorstellen.

Oder man sieht das Pärchen im Straßencafe sitzen, welches sich unsicher gegenüber sitzt und der Mann versucht die Hand der Frau zu erhaschen. Aufgrund dieser Szene kann man sich ausmalen, dass diese jetzt ihr erstes Date wahrnehmen. Und wie es danach wohl weitergehen kann...

Insbesondere kleine Details können große Inspirationen hervorrufen!

Zum Beispiel eine besonders auffällige Kleidung. Oder Accessoires, die einen bestimmten Lebensstil oder bestimmte Präferenzen darlegen und somit die Möglichkeit für interessante Interpretationen liefern und sich wunderbar ausmalen lassen.

Was und wie jemand spricht, zeugt von seinem Charakter: Auch können kleine Ausschnitte aus Konversationen oder Telefonaten - die man im Vorbeigehen mitbekommt - eine Inspiration darstellen. Oft lässt sich ein kleiner Teil eines Satzes auf vielfältige Weise interpretieren, sodass es ein "Denksport" sein kann, sich möglichst viele unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten für diese kleinen Abschnitte auszudenken.

Wer seinen Alltag bewusst wahrnehmen kann, wird einen nahezu unerschöpflichen Fundus an Inspirationen für kurze Geschichten bekommen!

Entwickeln einer Geschichte

Wie entwickelt man eine Geschichte?

Hauptdarsteller

Man kommt in einen Raum.

Und dort ist ein großer Löwe.

Dieser Löwe bekommt einen Namen. Zum Beispiel Hans.

So geht man jetzt Schritt für Schritt weiter...

Alternativ zu dieser Schrittweisen Entwicklung könnte man sich bereits zu Beginn eine komplette Geschichte überlegen. Erst in groben Zügen und dann die Details Schritt für Schritt ausarbeiten.

Nebendarsteller

Im Laufe der Geschichte kann man sich immer neue Personen oder Gegenstände dazu denken, oder auch wieder wegdenken.

Einige tauchen dann im Verlauf der Geschichte kurz auf und tun bestimmte Dinge, die für die Geschichte relevant sind.

Reaktionen der Umwelt

Immer wenn die Hauptperson in der Geschichte etwas tut, kann man sich die Reaktionen der Umwelt auf diese Aktivitäten der Hauptperson vorstellen und aufschreiben.

Wenn der Löwe dann zum Beispiel aus dem Gebäude auf die Straße geht, reagieren sofort alle Autofahrer und vorbeigehende Menschen darauf.

Motiv des Hauptdarstellers

Die Hauptperson hat dann auch meistens von Beginn der Geschichte an ein bestimmtes Motiv was sie bis zum Ende der Geschichte erreichen möchte.

Zum Beispiel kann der Löwe das Ziel haben, zurück nach Afrika zu seinen Artgenossen zu reisen.

Viele kleine Probleme An mehreren Stellen der Geschichte muss es zu Problemen kommen, die es dann zu lösen gilt.

Zum Beispiel kann der Löwe dann mit dem Bus in eine andere Stadt fahren wollen. Aber er hat kein Geld für den Busfahrer, sodass er dieses Problem erstmal lösen muss, bevor er einen Schritt weiter kommt.

Einspieler

Als Einspieler in einer Geschichte lassen sich auch Erinnerungen oder Träume einbinden, die mit der Geschichte auf den ersten Blick nichts zu tun haben, aber Hintergründe, Fantasien oder Wünsche des Hauptdarstellers bildlich darstellen.

Hauptproblem oder Feindbild

Als Steigerung zu den kleinen Problemen die im Laufe der Geschichte auftauchen, sollte es auch jemanden geben, der unserem Hauptdarsteller etwas Böses möchte, oder allgemein böse Absichten hat. Und der somit als Feindbild für unseren Hauptdarsteller dient.

Vom Schreiben und Lesen von Texten

"Geschriebene Sätze werden reicher, mit jedem der sie liest."

Beim Schreiben von Texten mit der Hand, legt die Geschwindigkeit des Führens des Stiftes über das Papier die Geschwindigkeit des Denkens fest.

Da es nicht so einfach möglich ist, einen bereits geschriebenen Text wieder zu löschen und zu ersetzen, wird beim Schreiben mit der Hand bereits im Vorfeld genau überlegt, wie ein Satz zusammenhängend und schlüssig formuliert werden soll.

Neben der Fachliteratur - die man zweckgebunden im Schnelldurchlauf durchblättert, um zu der für einen in dem Moment wichtigen Informationen zukommen - ist es auch wichtig, zwischendurch nicht zweckgebunden in die Welt einer Geschichte - zum Beispiel einem Roman - abzutauchen.

Anders als beim stichpunktartigen Erfassen von sachlichen Informationen, geht es beim nachempfinden einer zusammenhängend geschriebenen Geschichte in Form eines Romanes darum, dass man sich genug Zeit nimmt, die mühevoll ausgedachten und aufgeschriebenen Sätze ebenso mühevoll und langsam zu lesen.

Das bedeutet auch, dass jeder Mensch der einen Text liest, diesen auf seine individuelle Weise aufnimmt und interpretiert, sodass bei jedem Menschen - der den selben Text liest - eine neue gedankliche Variante von diesem Text entsteht, beziehungsweise entstehen kann.

Daher sind auch alte Texte - aus ganz anderen Zeiten und einem anderen kulturellen Umfeld - für spätere Zeiten weiterhin aktuell, da der Leser auch in späteren Zeiten seine eigenen Gedanken - beziehungsweise die Einflüsse seiner aktuellen Kultur - in die Interpretation des alten Textes einbringt, und somit die "alten" Erkenntnisse auf die aktuelle Situation bezieht.